Aug14

Was ist, wenn sich über Nacht ein Senkloch bildet, so wie dies z. B. 2010 in Guatemala City der Fall war? Nach dem Tropensturm “Agatha” klaffte ein 18 auf 100 Metern tiefes, kreisrundes Loch im Boden. Das dreistöckige Gebäude verschwand in der Tiefe mit ihm auch 15 Menschen. Wahrlich Stoff wie in einem Horrorfilm aus der Schmiede Hollywoods.

Das wohl spektakulärste Senkloch überhaupt entstand in Guatemala City im Juni 2010. Ein ganzes Haus verschwand in einem 60 Meter tiefen Krater. Zuvor hatte es ein schweres Unwetter gegeben. © Screenshot Youtube-Video

Das wohl spektakulärste Senkloch entstand in Guatemala City im Juni 2010, wo ein ganzes Haus  in einem 60 Meter tiefen Krater verschwand © Screenshot Youtube-Video

Die Definition liest sich harmlos: Eine Erdsenkung ist eine durch Subrosion verursachte Absenkung des Erdbodens über meist natürlich entstandenen Hohlräumen. Und meistens entstehen auch nur kleinere Senklöcher, die zwar Schaden anrichten, aber keine Menschenleben kosten.

In bewohnten Gebieten sind Senklöcher besonders tückisch, da man sie nicht vorhersagen kann. Meist entstehen sie in einem jahrhundertelangen Prozess durch Regen- und Grundwasser, die den Boden durchdringen und lösliches Gestein wie Sandstein, Kalkstein, Salz oder Gips auswaschen und so auf kurz oder lang ein Hohlraum entsteht. Manchmal reichen jedoch auch ungewöhnlich heftige und lang anhaltende Regenfälle, wie das Beispiel von Guatemala City zeigt.

Andere Senklöcher sind gigantisch, liegen jedoch inmitten unbesiedelter Natur. Diese sind teilweise zu gut besuchten Touristenattraktionen geworden, wie beispielsweise die “Schwalbenhöhle” in Mexico.

Senkloch

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Aug07

Wer kennt sie nicht, die Parseierspitze mit 3036 m der Höchste, gefolgt vom Dachstein und der Zugspitze, oder das Birnhorn und die vielen Anderen!

Die Südwand, der Ostgrat und die Nordostwand der Parseierspitze © Cactus26 eigenes Werk, CC BY-SA 3.0

Die Südwand, der Ostgrat und die Nordostwand der Parseierspitze © Cactus26 eigenes Werk, CC BY-SA 3.0

Die Nördlichen Kalkalpen erstrecken sich über 500 km vom Rheintal bis Wien und sind bis zu 50 km breit. Sie sind ein geologischer Abschnitt der Ostalpen und grenzen im Süden an die Grauwackenzone, die ihre geologische Unterlage bildet. Während der alpinen Gebirgsbildung wurden sie über die Zentralalpen auf die nördlich gelegene Flysch- und Molassezone geschoben und sind somit ein typisches Deckengebirge.

Nördlichen Kalkalpen und Grauwackenzone hier hellblau markiert (Ostalpines Mesozoikum © gemeinfrei)

Geologische Skizze der Alpen mit den Nördlichen Kalkalpen und der Grauwackenzone (Ostalpines Mesozoikum), hellblau markiert © gemeinfrei

Die Deckeneinteilung der Nördlichen Kalkalpen © steinmann.uni-bonn.de

Die Deckeneinteilung der Nördlichen Kalkalpen © steinmann.uni-bonn.de

Im Wesentlichen bestehen sie aus Gesteinen des Mesozoikums aus der Tethys. Markant ist die Ausbildung der alpinen Trias mit dem Wettersteinkalk, den Lunzer Schichten, dem Hauptdolomit und dem Dachsteinkalk.

Von Norden her steigen die Kalkalpen in die bewaldeten Kalkvoralpen in Oberösterreich und Niederösterreich und weiter in die felsigen Kalkhochalpen. Diese sind stark verkarstet und wenig vergletschert. Nur im mittleren Teil der Nördlichen Kalkalpen haben Dachstein (2995 m) und Hochkönig (2941 m) und im äussersten Westen die Schesaplana (2965 m) Gletscher. Eine Einteilung der Nördlichen Kalkalpen wird nach den Bundesländern getroffen, von Westen nach Osten: Nordtiroler Kalkalpen, Salzburger Kalkalpen, Oberösterreichische Kalkalpen und Steirisch-niederösterreichische Kalkalpen. Hier lässt es sich wunderbar wandern.

Wandern in der Nationalparkregion
→ Die nördlichen Kalkalpen

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Jul31

Der Kanton Zürich ist der Geheimtipp unter Wasserfall-Liebhabern. Nirgendwo sonst gibt es so viele unentdeckte Bachtobel mit mächtigen Wasserfällen. Sie sind dutzende Meter hoch, werden von wilden Bächen gespeist und finden sich häufig in schwer erreichbaren Schluchten!

Wasserfall - Rheinfall © Mh-rockt, eigenes Werk, CC BY-SA 3.0

Wasserfall – Rheinfall © Mh-rockt, eigenes Werk, CC BY-SA 3.0

Sagentobel

Dieser Wasserfall liegt auf Zürcher Stadtgebiet. Anfangs des 20. Jahrhunderts gab es eine Galerie mit einem Weg, der direkt unter dem Wasserfall durchführte. Dieser existiert heute nicht mehr und die Natur hat sich wieder entfalten können.

Giessbachfall

Versteckt zwischen den Gemeinden Wädenswil und Richterswil tost es. Einst von Wanderern entdeckt, lässt sich der Giessbachfall heute sowohl im Sommer als auch im gefrorenen Zustand im Winter gut beobachten.

Sunnebachfall

Hinter diesem Wasserfall verbirgt sich eine Höhle. Wenn man den Sprühnebel und die grossen Wassermassen des Sunnebachfalls überwunden hat, offenbart sich dahinter eine Höhlenwelt, die über Jahrtausende geschaffen wurde. Er ist schwer zu erreichen und ist der Action reichste, der schönsten Wasserfall.

Höhschutzfall

Der Höhschutzfall in Erlenbach ist einer von vielen mächtigen Wasserfällen im Kanton Zürich, die auf keiner Karte eingezeichnet sind. Er ist der natürlichste und schönste Wasserfall.

Aabachtobel

Im Sihlwald warten zahlreiche Kaskaden, die vom Aabach geformt wurden. Das Highlight ist der zehn Meter hohe Wasserfall, welcher im freien Fall hinunterstürzt. Eine Wanderung im Aabachtobel belohnt den Wanderer, denn der Aufstieg zum Wasserfall führt auf einem kurzen Abschnitt über eine spannende, steile Metalltreppe zu einem am Hang verlaufenden Steg, der eine spektakuläre Sicht auf den Aabachfall bereit hält. Es ist der Abenteuerlichste aller Wasserfälle.

Pilgersteg Rüti

Wie aus der Giesskanne plätschert beim Pilgersteg das Wasser über die Kante in ein idyllisches Becken, in dem der Badespass garantiert ist. Man erblickt von dort aus die verschiedenen Gesteinsschichten, die übereinander liegen, während das Wasser ungebändigt darüber hinausschiesst.

Rheinfall

Wer kennt ihn nicht, den grössten Wasserfall Europas. Nur der Aal kann den Rheinfall flussaufwärts überwinden, indem  er sich über die trockenen Felsen an der Seite des Wasserfalls hochschlängelt. Der Rheinfall wurde im Jahr 1515 erstmals porträtiert, nämlich auf dem Bild “Taufe Christi” von Joachim Patinir.

Greiselgubel

Greiselgubel

Der Greiselgubel ist der höchste Wasserfall im Kanton. Die Wassermassen stürzen im freien Fall 43 Meter in die Tiefe. Das Naturwunder befindet sich in Fischenthal im Tösstal und lässt sich nicht ganz einfach erreichen, denn die letzten Meter stapft man im reissenden Fluss.

Wasserfall Embrach

Man sagt es seien die Niagara-Fälle des Kantons, denn das Wasser stürzt über eine Wasserwand mit einer parabolisch gekrümmten Kante. Im Becken unter dem Wasserfall lässt es sich wunderbar baden.

→ «Perlen Zürichs» unbekannte und unerforschte Kaskaden und Wasserfälle im Kanton: Ein Fotografie Bildband, wie es so noch keinen gibt.

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Jul24

In einem tiefen Schacht bei Boveresse im Val de Travers im Neuenburger Jura liegt die unterirdische Eishöhle Monlési. Sie liegt 600 m südöstlich des Bauernhofes “La Petite Charbonnière” auf 1135 m Höhe. Der Zugang erfolgt vom Col des Sagnettes her.

Der Gletscher Monlési im Neuenburger Jura im Val de Travers © Pmau CC BY-SA 4.0

Der Gletscher Monlési im Neuenburger Jura im Val de Travers © Pmau CC BY-SA 4.0

Die Eishöhle ist 110 m lang und liegt 38 m tief. Ein natürlicher Schacht beziehungsweise insgesamt drei Schächte führen 16 m hinunter. Ein niederer Durchgang führt dann durch den Felsen zum Eis, das eine Halle von 40 auf 29 m, bei einer maximalen Höhe von 15 m, füllt. Ihr Volumen wurde auf 10’000 m³ geschätzt. Im Vergleich dazu haben die anderen Glacières im Jura viel bescheidenere Ausmasse: der Glacière de Pré de Saint Livres mit 3’500 m³, der Creux Bastian mit 2’500 m³, der Glacière de Saint George mit 2’300 m³.

Aus dem Jahr 1849 stammt ein Bericht im “Messager boiteux”, wo berichtet wird, dass sich die Menschen Eis aus der Höhle holten, um es im Haus zu verwenden. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts und zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann der Abbau des Eises im industriellen Stil. Bis zu 15 Arbeiter waren zeitweise beschäftigt. Sie zerschnitten das Eis, legten es in kleine Wägelchen, zogen es mit Hilfe einer Seilwinde an die Oberfläche und brachten es so schnell wie möglich zur nächsten Bahnstation. Hauptabnehmer waren damals die Brauereien. Heute ist von diesen Unternehmungen keine Spur mehr vorhanden und die Höhle zeigt sich wieder in alter Pracht.

Eis-Stalagmite © Looks.k, eigenes Werk, CC BY-SA 4.0

Eis-Stalagmite © Looks.k, eigenes Werk, CC BY-SA 4.0

Das Vorhandensein einer Eishöhle ist das Ergebnis einer besonderen klimatischen Situation: Im Winter sinkt die dichte, kalte Luft in die Höhle und kühlt den Fels und das vorhandene Eis. Im Sommer erfolgt durch die Zirkulation der Luft durch die insgesamt drei vorhandenen Zugangsschächte eine Verdunstung, die Wärme aufnimmt und die Temperatur an der Eisoberfläche um Null Grad hält. Dies ist ein sehr sensibles Gleichgewicht und lässt sich vermutlich durch zu viele Besucher stören, d.h. dass die Temperatur gestört wird und damit das Weiterbestehen des Eises.

 

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Jul17

Der Vulkan Cotopaxi in Ecuador ist wahrscheinlich das grösste Musikinstrument der Erde. Seit den Explosionen im Inneren des Vulkans von 2015 gibt er einzigartige Töne von sich. Erzeugt werden sie durch Infraschall, d. h. durch niederfrequente Wellen, verursacht durch aufsteigende Gase, die den Kraterschlot durchströmen, ähnlich einer Orgelpfeife. Diese Töne verraten etwas über die Beschaffenheit des Vulkanschlots, denn wie bei einer Orgelpfeife sorgt die spezielle Geometrie des Schlotes dafür, dass das Gasgemisch in Schwingung gerät.

Ansichten der Spitze des langen, zylindrischen Kraters des Cotopaxis. Nach einer Reihe von Eruptionen im Jahr 2015 kollabierte der Kraterboden. Bildnachweis: Silvia Vallejo Vargas / Instituto Geofisico, Escuela Politecnica Nacional, Quito, Ecuador

Ansichten der Spitze des langen, zylindrischen Kraters des Cotopaxis. Nach einer Reihe von Eruptionen im Jahr 2015 kollabierte der Kraterboden. Bildnachweis: Silvia Vallejo Vargas / Instituto Geofisico, Escuela Politecnica Nacional, Quito, Ecuador

Die Forscher nennen die Töne Tornillos, das spanische Wort für Schrauben, weil die Schallwellen wie Schraubengewinde aussehen.

Diese “Orgeltöne” werden etwa einmal pro Tag ausgestossen und dauern 90 Sekunden.

Aus der Frequenz und Oszillation der Töne kann man auf das Schlotinnere schliessen, es liefert den Vulkanologen wertvolle Informationen über den Lavastand und die Aktivität. Auf den Cotopaxi bezogen, verrieten seine Töne, dass der Kraterschlot nach der Eruption von 2015 125 Meter breit und zwischen 270 und 320 Meter tief sein muss.

Schwingungsmuster eines Tornillos: ein Phänomen, das etwa 90 Sekunden dauert © Johnson et al./ American Geophysical Union

Schwingungsmuster eines Tornillos: ein Phänomen, das etwa 90 Sekunden dauert © Johnson et al./ American Geophysical Union

Es ist wichtig zu verstehen, wie jeder Vulkan singt, um zu verstehen, was vor sich geht, glauben die Forscher.

→  Vulkanmusik

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Jul10

Seit Anfang Mai fressen sich gewaltige Lavaströme  förmlich durch die Insel Hawaii, die die grösste und östlichste Insel des US-Bundesstaates Hawaii ist. Das wäre ja nichts besonderes, wenn sich hier nicht ein kleines Wunder darböte: es regnet nämlich Edelsteine!

Lavabilder vom "lächelnden" Vulkanausbruch Kilauea Hawaiis © bbc.com

Lavabilder vom “lächelnden” Vulkanausbruch Kilauea Hawaiis © bbc.com

Wie kommt es dazu?

Olivine, die derzeit vom Himmel regnen, sind nicht gross und kommen auch sonst häufig auf der Insel vor, so dass sie kaum einen Wert haben. Auch gibt es einen Strand, der Papakolea- oder Green Sands Strand genannt wird, weil die Olivine dort so massenweise vorkommen.

Eher ungewöhnlich ist allerdings, dass die Olivine in diesem Ereignis nicht von Gestein umhüllt sind, sondern in glasklarer Form auf die Erde fallen. Das geschmolzene Gestein wird mit so grosser Kraft aus dem Vulkan geschleudert, dass  die Brocken zerfetzt werden und die Glasperlen ohne Muttergestein zu Boden fallen. Olivin ist ja ein Mineral des Erdmantels und deshalb in diesem Magma häufig. Dennoch ist Olivin in Edelstein Qualität eher rar.

Hawaii’s Lava flow

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Jul03

Peles Haare (hawaiisch lauoho o Pele,) bezeichnen dünne Fäden oder Stränge vulkanischen Glases, die bei basaltischen Vulkanausbrüchen beim Abkühlen und durch starke Winde langgezogen aus der Lava entstehen.

Das goldene Haar der Pele am Kīlauea auf Hawaii © D.W. Peterson, gemeinfrei

Das goldene Haar der Pele am Kīlauea auf Hawaii © D.W. Peterson, gemeinfrei

Ein einzelner Strang mit einem Durchmesser von weniger als 0,5 mm kann zwei Meter lang sein. Die goldene Farbe erinnert an menschliches Haar und so erstaunt es nicht, dass sie nach Pele benannt sind, der hawaiischen Göttin des Feuers und der Vulkane. In Island werden die Fäden auch als “Nornahár” (Nornenhaar oder Hexenhaar) bezeichnet.

Peles Haare kommen natürlich nicht nur auf Hawaii vor. So sind Fundstellen in Nicaragua (Masaya), in Italien (Ätna), Äthiopien (Erta ‘Ale), Réunion (Piton de la Fournaise) und Island bekannt. Es wird normalerweise in Lücken im Boden gefunden, meist in der Nähe von Schloten, Meereseintritten oder in Ecken, wo Peles Haare sich ansammeln können oder sie verfangen sich wie im Bild an einem Antennenmast. Pele-Haar stellt eine natürliche Variante der Mineralwolle dar und ist ein Basaltglas (Sideromelan & Tachylit).

Peles Haare wurden am 22. Juli 2005 auf einer Radioantenne am Südrand von Pu'u'o'o, Hawai'i, aufgefangen © Public Domain

Peles Haare wurden am 22. Juli 2005 auf einer Radioantenne am Südrand von Pu’u’o’o, Hawai’i, aufgefangen © Public Domain

Peles Haare mit blossen Händen anzufassen ist nicht empfehlenswert, da es sehr spröde und scharf ist und kleine Bruchstücke in die Haut eindringen können.

Nebst Haaren werden manchmal auch Tränen gefunden, Peles Tränen also. Die Tränen oder Achnelithe entstehen wie die Haare – durch Auswerfen winziger Lava-Tröpfchen aus einem Lava-Brunnen. Die Auswurfgeschwindigkeit entscheidet, ob sich Haare oder Tränen bilden. Je höher die Geschwindigkeit je haariger wird es! So kann man auch verstehen, dass sich Tränen an den Haarspitzen bilden.

Peles Haar bezeichnet die extrem langen Fäden aus goldig-bräunlichem bis schwarz gefärbtem Basaltglas und bildet sich aus sehr flüssiger Basalt Lava Spray oder Fontäne. Achnelithe (Peles Tränen - die kleinen, schwarzen, glasigen Strukturen) sind oft am Ende einzelner Fäden befestigt © James St. John, CC BY 2.0

Peles Haar bezeichnet die extrem langen Fäden aus goldig-bräunlichem bis schwarz gefärbtem Basaltglas und bildet sich aus sehr flüssiger Basalt Lava Spray oder Fontäne. Achnelithe (Peles Tränen – die kleinen, schwarzen, glasigen Strukturen) sind oft am Ende einzelner Fäden befestigt © James St. John, CC BY 2.0

Peles Tränen liefern dem Vulkanologen zusätzliche wertvolle Informationen über den Ausbruch. Die Gasbläschen und Partikel, die in den Tränen gefangen sind, liefern Informationen über die Zusammensetzung der Magmakammer. Und die Form der Tränen gibt Hinweise auf die Geschwindigkeiten des Auswurfs.

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Die Lösung

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