Aug23

Wenn Max Eiselin erzählt, lebt ein Stück Alpingeschichte auf. Der Luzerner Alpinist, Gründer des gleichnamigen Bergsportgeschäfts, hat ein hervorragendes Gedächtnis für Anekdoten, Namen, Episoden und Geschichten aller Art. Das Thema: die Erstbesteigung des zweitletzten noch unbezwungenen 8000er. Die Rede ist vom Dhaulagiri, 8167 Meter hoch, bestiegen am 13. Mai 1960 durch die von Eiselin geleitete Expedition.

Dhaulagiri

Dhaulagiri der spät erklommene 8000er im nepalesischen Himalaya, © Wikimedia

Schweizer in der Pionierrolle

Der Dhaulagiri war bereits Mitte des 19. Jahrhunderts bekannt, doch seine Erforschung war bis 1949 ausgeblieben. Das überrascht, denn nahezu alle anderen Achttausender waren längst erforscht und Erstbesteigung waren voll im Gang.

Der Geologe Arnold Heim machte 1949 erste Flugaufnahmen des Bergs aus der Nähe. Ab 1950 wurde er von Alpinisten angegangen, zuerst von der berühmten französischen Expedition unter Maurice Herzog. Er befand ihn als zu schwierig und wechselte an den Annapurna I, 8091 Meter hoch, dessen Erstbesteigung – der erste Achttausender überhaupt – dann gelang. In den nächsten Jahren kamen zwei argentinische, eine österreichische und drei Schweizer Expeditionen und 1958 kam auch Max Eiselin zum ersten Mal an den Dhaulagiri. Alle Versuche missglückten. Auf der neu gewählten Nordostsporn-Route gelang dann 1960 die Erstbesteigung seiner Expedition. Zu den Gipfel-Erstbesteigern gehörten die Schweizer Albin Schelbert, Peter Diener, Ernst Forrer, der Österreicher Kurt Diemberger und die Sherpas Nima Dorje und Nawang Dorje. Die erfolgreiche Expedition lässt grüssen!

Nepal_ Dhaulagiri_Expedition_Card_1960

Dhaulagiri Expedition und Erstbesteigung vom 13. Mai 1960 geleitet von Max Eiselin

Geologie am Dhaulagiri im Speziellen und Nepals im Allgemeinen

Die mächtigen Bergmassive des Annapurna, Dhaulagiri und Nilgiri, die das Kali Gandaki-Tal zu beiden Seiten flankieren, verfügen über einen heterogenen geologischen Aufbau. Gneisse und Marmor unterschiedlicher Zusammensetzung sind Kennzeichen lokaler Temperatur- und Druckunterschiede während der Gesteinsmetamorphose. Charakteristisch ist die Annapurna Yellow Formation (leukokrate Granite) und der Nilgiri- und Kalapani Kalkstein, der einen starken Dolomitcharakter aufweist und grosse Teile der Gipfel westlich und östlich des Tals ausmacht mit Mächtigkeiten bis zu 1600 m, Gansser 1964.

Kali Gandaki Kalkformationen

Gefaltete Kalkschichten, der aus der Tethys stammenden Gesteinssequenz, im Kali Gandaki-Tal, © Wikimedia

Der Kern des Kali Gandaki-Tals, das übrigens das tiefste Tal der Welt sein soll, entspricht einer 5 km mächtigen, metamorph überprägten Sedimentsequenz aus dem Tethysmeer.

Geologie und Tektonik am Dhaulagiri

Geologische Schichten und Tektonik im Gebiet des Dhaulagiri, © Wikimedia

Die Geologie Nepals im weiteren Rahmen wird bestimmt durch die indisch-eurasische Kontinent auf Kontinent Kollision, die seit 65 Millionen Jahren in Gang ist. Diese Kollision führte bis jetzt zu einer Krustenverkürzung von ca. 2500 km, was der gesamten N-S Länge des Staates Indien entspricht! Diese Krustenverkürzung findet sich in den höchsten Erhebungen des Himalaya, die den grössten Teil Nepals ausmachen. Verkürzungen werden von Deformationsprozessen begleitet und so kommt es zu Auffaltungen, Brüchen und Überschiebungen.

Die grossen Überschiebungszonen sind zudem verantwortlich für die starke Erdbebentätigkeit, wie das Beben vom 25. April 2015 in Nepal zeigt.

 

Kommentar schreiben/lesen

Aug16

und am Kailash befindet sich die Nahtstelle zwischen der eurasischen – und indisch-australischen Kontinentalplatte.

Der heilige Berg Kailash – im Sanskrit heisst Kailash leuchtender Kristall –  liegt im Zentrum eines Gebiets, das für den gesamten Wasserlauf des tibetischen Hochlands von grösster Bedeutung ist.

Stupas und Sicht auf den heiligen Berg Kailash, Nordseite © GNU Free Documentation License

Stupas und Sicht auf den heiligen Berg Kailash, Nordseite © GNU Free Documentation License, Yasunori Koide

Um den Kailash entspringen die fünf grossen Flüsse: der Indus im Norden, der Yarlung Tsangpo im Osten, der weiter stromabwärts zum Brahmaputra wird, der Satluj im Westen, der Ganges im Südwesten und im Süden der Karnali. Diese aussergewöhnliche Situation entstand durch eine Hebung des Kailash zu einer Zeit als der Himalaya erst langsam im Entstehen war.

Die fünf Flüsse, die im Gebiet des Kailash entspringen

Die fünf Flüsse, die im Gebiet des Kailash entspringen

Der berühmte Schweizer Geologe, Augusto Gansser, entdeckte 1936, getarnt als buddhistischer Pilger, die Nahtstelle zwischen der indisch-australischen -und eurasischen Platte. Das war eine Entdeckung mit Tragweite, wenn wir uns vor Augen führen, dass zu jener Zeit die Theorie der Kontinentalverschiebung, die erstmals von Alfred Wegener 1912 aufgestellt wurde, unter der geologischen Gemeinschaft heftig diskutiert wurde. Später entwickelte sich die Theorie der Kontinentalverschiebung zur Theorie der Plattentektonik, die in den 1960er Jahren entscheidend weiterentwickelt wurde.

Wichtig sind diese Theorien um eine Vorstellung von der Dynamik der Erde zu gewinnen. 

Mittlerweile wissen wir, dass die Erdkruste aus mehreren grossen und zahlreichen kleineren Krustenplatten besteht. Diese Platten bewegen sich voneinander weg, reiben aneinander oder eine Platte wird unter die andere geschoben, sodass sich die auf ihnen liegenden Kontinente bewegen. Die sogenannte Kontinentaldrift wird von Materialströmungen im weicheren, unter der Erdkruste liegenden Erdmantel verursacht. Die Strömungen im Erdmantel sind sogenannte Konvektionsströme und sorgen dafür, dass heisses, flüssiges Magma an die Oberfläche steigt und die Platten antreibt.

Dies kann man auch beobachten, wenn man Milch in sehr heissen Kaffee gibt. Es entstehen dann kleine Konvektionszellen aus aufsteigender und absinkender Milch. Nach dem gleichen Prinzip bewegen sich auch im Erdmantel die Gesteinsmassen, so nimmt man an!

Beim nächsten Morgenkaffee lässt sich dieses Phänomen mal gründlich studieren und in Bezug auf die Erdkonvektion empfiehlt sich folgender Film:

>> Plattentektonik

Kommentar schreiben/lesen

Aug09

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war die britische Kronkolonie Indien zum grössten Teil erforscht, kartographiert und von Eisenbahnlinien durchzogen. Weitgehend unbekannt aber war noch immer das geheimnisumwitterte Tibet. Dort lebten die Menschen in einem feudalen System unter der Herrschaft der Lamas mit einem Priesterkönig, dem Dalai Lama, als geistiges Oberhaupt. Für Ausländer war Tibet ein streng verbotenes Land.

Potala Palast

Potala Palast

Als die tibetischen Herrscher Verhandlungsangebote der britischen Regierung über politische Kontakte ignorierten, führte dies 1903 zum britischen Tibetfeldzug. Lhasa, auf 3600 Meter Höhe damals die höchstgelegene Hauptstadt, wurde vorübergehend besetzt. Der 13. Dalai Lama floh in die Mongolei. Nun kamen erstmals Augenzeugenberichte und Fotos von Tibet und seiner Hauptstadt nach Europa.

Forscher wie Sven Hedin konnten nun, wenn auch noch unter vielen Schwierigkeiten, nach Tibet reisen und verlässliche wissenschaftliche Informationen sammeln. Eine der schillerndsten Persönlichkeiten, die aufbrachen, die Wunder Asiens persönlich zu erfahren, war die Französin, Alexandra David-Néel (1868–1969).

Alexandra David-Neel, © Preus Museum

Alexandra David-Neel, © Preus Museum

1911 startete sie zu ihrer zweiten Asienreise, die 14 Jahre dauern sollte. Sie durchwanderte als bettelnde Pilgerin den Himalaya, lebte zwei Jahre als Einsiedlerin in einer Steinhütte auf 4000 Metern und wurde in den Stand einer Lamina erhoben. Später überquerte sie von China aus zu Fuss das Himalaya Gebirge. Als Nonne verkleidet erreichte sie als erste Europäerin 1924 die verbotene Stadt Lhasa. Trotz ihres Status als Lama musste sie sich mit Russ und Schmutz tarnen, um im noch immer für Ausländer verbotenen Tibet nicht als Europäerin erkannt zu werden. Zwei Monate weilte sie in der sagenumwobenen Hauptstadt. Ihre Reisebücher lesen sich heute noch wie Abenteuerromane und sind sehr empfehlenswert.

Das Forschen zu jener Zeit umfasste alle wissenschaftlichen Disziplinen. Später sollte gezieltere Feldforschungen betrieben werden. So reiht sich der Schweizer Geologe, Augusto Gansser, auch Baba Himalaya genannt, unter die Bedeutenden.

Augusto Gansser 1933, © ETH-Bibliothek

Augusto Gansser 1933, © ETH-Bibliothek

Gansser begab sich 1936 zusammen mit Arnold Heim auf die erste Schweizer Himalaya-Expedition, die acht Monate dauerte. Dabei entdeckte er die geologische Nahtstelle zwischen der indischen – und der eurasischen Platte am Fusse des Kailash. Er war der erste Geologe, der diesen heiligen Berg in Tibet erforschte. Da das Betreten Tibets damals für Ausländer immer noch verboten war, unternahm Gansser die Umrundung des Kailash von indischem Boden aus als buddhistischer Pilger.

Der heilige Berg Kailash, © Augusto Gansser

Der heiligste Berg der Welt, Kailash, ist 6700 m hoch. 1936 fotografiert von Augusto Gansser auf seiner Pilgerreise durch das verbotene Tibet, © Augusto Gansser

 

Kommentar schreiben/lesen

Aug02

Die Legende verbindet mit der Rütliwiese im Herzen der Schweiz den Bund der drei Urkantone Uri, Schwyz und Unterwalden sich gegenseitig Hilfe gegen fremde Herrscher zu leisten. Dies soll 1291 geschehen sein. Es verkörpert das urschweizerische Ideal von Selbstbestimmung, Selbstverteidigung und Demokratie. Das Rütli ist und bleibt Aufhänger, Dreh- und Ankerpunkt der nationalen Identität, denn die Schweiz versteht sich als “Willensnation”; sie bildet weder ethnisch, sprachlich noch religiös eine Einheit. Im Jahr 1860 kaufte die Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft die Wiese und schenkte sie der Schweizerischen Eidgenossenschaft «als unveräusserliches Nationaleigentum».

rütliwiese Fresko: Rütlischwur in der Tellskapelle

Links: Rütliwiese geschmückt für den Nationalfeiertag; Rechts: der Rütlischwur, Fresko der Tellskapelle

1291 war ein Jahr unter vielen

Einigkeit über das Gründungsjahr bestand lange nicht. Das Thema kam Ende der 1880-er Jahre wieder aufs Tapet, als sich nämlich Bern, die neue Bundesstadt der modernen Schweiz, anschickte, 1891 den 700. Jahrestag ihrer Stadtgründung von 1191 zu feiern. Die katholischen Innerschweizer Kantone störten sich an der eigenmächtigen Feier in der reformierten Bundesstadt. Sie forderten auch eine nationale Gründungsfeier. Die Konkurrenz von gleich drei Gründungsjahren – 1291, 1307, 1315 – machte die Terminierung allerdings schwierig. Die Mehrheit der liberalen Kantone votierte schliesslich für Schwyz und 1291. Im inoffiziellen Auftrag des Bundesrates formulierte der Zürcher Historiker, Wilhelm Oechsli, 1891 die Entstehungsgeschichte der alten Schweiz neu und erklärte die Schwyzer Urkunde von 1291 zum «Stiftungsbrief der schweizerischen Eidgenossenschaft».

Violà! Aber wieso der 1. August?

Seit dem frühen 20. Jahrhundert ist das Jahr 1307 als Datum des Rütlischwurs immer mehr in den Hintergrund getreten und der 1889 begründete Schweizer Bundesfeiertag am 1. August – aufgrund der Datierung des Bundesbriefs von 1291 – setzte sich immer mehr durch. Seit 1994 ist der 1. August als Schweizer Nationalfeiertag gesamtschweizerisch auch zum arbeitsfreien Tag erhoben worden!

Rütliwiese und Seelisberg dahinter die Urner-Bergkulisse

Rütliwiese und Seelisberg dahinter die Urner-Bergkulisse

Auch für Geologen ist die Landschaft um die Rütliwiese ein Leckerbissen.

 

Zwischen Mythen, Fronalpstock und den Urner Alpen liegen Verwerfungen und Aufschichtungen aus der kontinentalen Frühzeit. Zu beiden Ufern des Urnersees lassen sich diese massiven Verbiegungen der Gesteinsschichten mit ihren Rissen und Klippen gut erkennen. Die Erdgeschichte erklärt sich hier ohne Worte, das genaue Hinsehen reicht! Wirklich?

Die ältesten überlieferten Zeichnungen zum Gebirgsbau des nördlichen Kantons Uri wurden vom angehenden Arzt Johannes Scheuchzer und dem italienischen Graf Luigi Fernando Marsigli angefertigt. Der berühmtere Bruder von Johannes Scheuchzer, der Universalgelehrte und Fossilienkundler Johann Jakob Scheuchzer übernahm die Darstellungen.

Die Deutung dieser Phänomene liest sich wie folgt:

“Das Zeugnis der Sünd-Fluth ist in die harteste Felsen eingeschrieben; Beschaue die in ordentliche Lager (Schichten) getheilte, und aus denselben gleichsam aufgebaute Berge, so sind sie augenscheinlich von irdischen Theilen entstanden, welche durch eine sehr hohe Wassersäule sich anfaenglich gesetzet, so dann aber wieder gebrochen und aufgehoben worden.”

Geologie des Urnersees von Johann Jakob Scheuchzer

Geologie des Urnersees von Johann Jakob Scheuchzer

Die gebankten Kalkablagerungen wurden richtigerweise als Ablagerungen in tiefem Wasser gedeutet, welche später verformt und gehoben wurden. Diese aus der Naturbeobachtung abgeleitete Interpretation wurde zu jener Zeit entsprechend der damaligen Weltanschauung in einen Zusammenhang mit der biblischen Sintflut gebracht.

Der Urnersee und das Rütli sind wahrlich mystische Orte!

Kommentar schreiben/lesen

Jul26

Als Säulen des Herakles oder Herkules bezeichnete man im Altertum den Felsen von Gibraltar im Süden von Spanien und den Berg Abyla, heute Jbel Musa bei Ceuta in Marokko. Die Phönizier, welche die Meerenge auf ihren Entdeckungsfahrten um 1100 v. Chr. erreichten, bezeichneten die beiden Vorgebirge nach ihrem Sonnengott als Säulen des Melkart. Der Name des Gottes wurde später von den Griechen durch Herakles ersetzt. Sie glaubten auch, dass diese Meerenge das Ende der Welt sei.

Strasse von Gibraltar - Gibraltar links, Abyla rechts, © NASA Weltkarte des Hekataios - Gibraltar
v.l.n.r.: Die Säulen des Herkules – Der Fels von Gibraltar links im Bild und der Berg Abyla heute Jbel Musa rechts im Bild, © NASA; das griechische Weltbild

Der Fels von Gibraltar ist ein massiver Kalkstein Monolith, deshalb ragt er so unerschrocken in den Himmel. Jbel Musa ist das afrikanische Pendant. Entstanden sind die Kalke vor 175-200 Millionen Jahren zur Jurazeit.

Der Felsen von Gibraltar ©imago

Der Felsen von Gibraltar ©imago

Vor 20 Millionen Jahren bildete der Vorläufer des Mittelmeeres, die Tethys, noch eine breite Wasserstrasse zwischen dem Indischen Ozean und dem sich öffnenden Atlantik. Die Tethys wurde in der daraufolgenden Zeit immer weiter eingeengt, bis im mittleren Miozän, vor etwa 15 Millionen Jahren, die Afrikanische Platte mit Vorderasien kollidierte. Dies führte zur Auffaltung von Kettengebirgen im Nahen Osten und beendete die Verbindung des entstehenden Mittelmeeres zum Indik. Von nun an bestand nur noch die Verbindung zum Atlantik.

Das Mittelmeer erhielt seine heutige Form erst vor 6 bis 5 Millionen Jahren am Ende des Miozäns. Während der Messinischen Salinitätskrise, ein erdgeschichtlicher Abschnitt in dem das Mittelmeer teilweise oder vollständig austrocknete, lagerten sich in den tiefsten Meeresbecken bis zu drei Kilometer mächtige Evaporite ab. Man darf davon ausgehen, dass das Mittelmeer ohne jeglichen Zufluss in einigen zehntausend Jahren verdunsten würde. Während man früher meist von einem globalen Meeresspiegelabfall ausging oder von einer seitlichen Einengung der verbliebenen Meeresstrassen durch tektonische Bewegungen, so wird seit 2003 ein Modell diskutiert, nach dem grossräumige Bewegungen im oberen Erdmantel zu einer Verschliessung der Meerespassagen zwischen dem Atlantik und dem Mittelmeer führten.

Mittelmeer wird vom Atlantik geflutet

Mittelmeer wird vom Atlantik her geflutet

Danach, an der Wende vom Miozän zum Pliozän, erfolgte nach neuesten Erkenntnissen zunächst eine leichte Senkung der Landbrücke zwischen Europa und Afrika, sodass für einige Jahrtausende nur geringe Wassermengen aus dem Atlantik in das ausgetrocknete Mittelmeerbecken schwappten. Nach und nach grub sich das Wasser immer tiefer in die Landbrücke, bis schliesslich durch einen 200 Kilometer langen und bis zu 11 Kilometer breiten Kanal etwa 100 Millionen Kubikmeter pro Sekunde einströmten und mit einer Geschwindigkeit von 144 Kilometer pro Stunde den Strömungskanal um 40 Zentimeter pro Tag vertieften. Das führte dazu, dass auf dem Höhepunkt dieses Vorgangs, der Wasserspiegel im Mittelmeerbecken täglich um mehr als 10 Meter anstieg, bis nach maximal zwei Jahren das Mittelmeer wieder aufgefüllt war. Seither ist diese Meerenge die einzige natürliche Verbindung zwischen Atlantik und Mittel- und Schwarzem Meer.

Kommentar schreiben/lesen

Jul19

Zumaia liegt an der Küste von Guipúzcoa in der spanischen Autonomen Region Baskenland. Berühmt ist es für die sensationelle Geologie. Es handelt sich hier um Flysch Formationen von ausserordentlicher Schönheit und Bedeutung. Häufig vertikal geschichtet ziehen sich die Schichten meilenweit ungestört dahin. Die Sedimentabfolgen von Kalken, kalkhaltigen Tonen, Mergeln und grobkörnigeren Sandsteinen entstanden von der Kreide bis ins Paläogen, eine Zeitspanne von bis zu 100 Millionen Jahren.

Zumaia Flysch, © Wikimedia

Flysch in Zumaia, © Wikimedia

In den Schichten finden sich Spuren bedeutender Phänomene und Kataklysmen, einschliesslich des globalen Aussterbens der Dinosaurier.

Zumaia Flysch, © Solasaga

Vertikal geschichteter Flysch, © Solasaga

Die Kreide-Paläogen oder K-P-Grenze, bis 2000 Kreide-Tertiär oder K/T-Grenze genannt, definiert den Übergang von der Kreidezeit zum Paläogen und ist der Zeitpunkt eines bedeutenden geologischen Ereignisses. Vor etwa 66 Mio. Jahren kam es zum grössten Massensterben der Erdgeschichte, was unter anderem zur Extinktion der Dinosaurier führte.

Flysch Formationen in Zumaia, Spanien

Flysch Formationen in Zumaia, Spanien

Die geologische und biologische Umwälzung setzte sich aus den verschiedensten Umweltveränderungen zusammen. Durch den Einschlag eines oder mehrerer Meteoriten, gekoppelt mit stark erhöhten vulkanischen Aktivitäten, ereignete sich ein gravierender Faunen- und Florenwechsel. Geologische Merkmale der Kreide-Paläogen Grenze sind eine Iridium-Anomalie, die auf einen grossen Meteoriteneinschlag hinweist. Dass diese Ereignisse mit dem globalen Aussterben zusammenhängen, gilt gegenwärtig als sehr wahrscheinlich.

Kommentar schreiben/lesen

Jul12

Es sind die Iberger Klippen im Kanton Schwyz, die uns einen geologisch gerafften Einblick gewähren. Sie sind deshalb so besonders, weil dort Relikte aus ganz verschiedenen Decken und Ablagerungsräumen erhalten sind. Klippen werden sie genannt, weil sie nicht einmal mehr unter sich zusammenhängen.

Wenige Kilommeter umfasst die Wanderung von den Drei Schijen über das Mördergruebi zum Roggenstock – eine Wanderung von Klippe zu Klippe, von Europa (Helvetikum) über zwei Ozeane (Penninikum) nach Adria-Apulien (Ostalpin) – und dies alles vor der Haustür.

Roggenstock  Wanderrout-Roggenstock2

v.l.n.r.: Roggenstock; Wanderroute von einer Klippe zur nächsten, d. h. von den Drei Schijen über das Mördergruebi zum Roggenstock

Die ältesten Gesteine finden wir am Roggenstock, bei den Drei Schijen, im Mördergruebi und auf den Mythen. Sie entstanden vor 100 bis 220 Millionen Jahren. Graue Dolomite ähnlich dem Kalkstein, helle Kalke, rote Radiolarite, die Kieselgesteine der Tiefsee zusammen mit Ophiolithen und erkalteter Kissenlava sind die wichtigsten Vertreter.

In zwei vereinfacht dargestellten Schemata können wir die tektonische Entwicklung vom Meer auf den Roggenstock nachvollziehen:

Roggenstock_UrtektonikRoggenstock Deckenbildung

Die tektonische Situation am Roggenstock selbst, diese gilt auch für die anderen Klippen, und der generelle Deckenbau der Klippen ist nachfolgend dargestellt.

Tektonik des Roggenstocks   Grafik zur Veranschaulichung der Iberger Klippe

Zusammenfassend können wir festhalten: Die in der Tethys abgelagerten Gesteine wurden bei der Gebirgsbildung stark verformt. Es bilden sich einzelne Gesteinsschollen, sogenannte Decken. Die Gesteine der einzelnen Ablagerungsräume werden weiter in Decken unterteilt und sind die Decken sehr klein, redet man von Schuppen. Nachfolgend aufgelistet sind die sieben Decken, die am Roggenstock zu finden sind (I zuunterst, VII zuoberst).

Gesteinsabfolgen Roggenstock

Lassen wir den Berggeist, der auch Namensgeber für die Mineralquelle, die eine stark schwefelhaltige Quelle ist und mancherlei Gebresten heilen soll, das letzte Wort sprechen:

“Über Kater und andere Geister wird sicher nur der Berggeist Meister.
Verblühende Frauen malens Gesicht, Sie kennen leider den Berggeist nicht.
Komm schöne Frau und trinke, dann brauchst du keine Schminke.
Gesunde, die über den Berggeist spotten, sieht man als Kranke zur Quelle trotten.
Adler, Hirsch und Sihlforellen sind blutsverwantde Trinkgesellen.
Solls Dir wohl wie diesen sein, schenk ein Gläschen Berggeist ein.
Ohne Berggeist welkt die Kraft, dagegen hilft kein Gerstensaft!”

>> Geologischer Wanderweg Roggenstock

Kommentar schreiben/lesen



Die Lösung

Archiv